Wissenschaftliches Englisch: Intelligent formulieren in Studium

Es gab eine Zeit, da war Deutsch eine wichtige Wissenschaftssprache. Das scheint der Vergangenheit anzugehören. Vor allem in naturwissenschaftlichen und mathematischen Fächern verwendet man heute wissenschaftliches Englisch. Und nicht nur das. Der komplette wissenschaftliche Diskurs erfolgt in englischer Sprache – vom Zeitschriftenartikel bis zum Kongress, vom wissenschaftlichen Mitarbeiter bis zum Professor.

Auch in den Geisteswissenschaften setzt sich Englisch als Wissenschaftssprache immer mehr durch. So kommt es, dass selbst in Disziplinen wie Philosophie, in denen Deutsche wie Kant oder Heidegger die Bedeutung des Denkens einst revolutioniert haben, ein Großteil der Bücher in englischer Sprache verfasst ist. Auch in den Musik- und Sprachwissenschaften sieht es nicht anders aus.

Da bleibt nur eines übrig: du solltest dich frühzeitig an die englische Wissenschaftssprache gewöhnen. Früher oder später wirst du eine Abschlussarbeit auf Englisch schreiben müssen und die folgenden Tipps helfen dir dabei.

wissenschaftliches Englisch

Was unterscheidet Wissenschaftssprache von der Alltagssprache?

Wissenschaftliche Sprache ist deutlich formeller als die natürliche Sprache, die man in seinem Alltag anwendet. Sie möchte zeigen, dass der Verfasser ein Gelehrter ist. Dafür benutzt sie oft Fremdwörter, lange Schachtelsätze und Passivkonstruktionen – der Albtraum eines jeden Journalisten. Aber der Wissenschaftler möchte ja nicht unterhalten und schon gar nicht, dass jeder seinen Text versteht. Er darf ruhig etwas elitär sein, dann klingt der Inhalt nach Expertenwissen.

Das ist etwas übertrieben, aber im Kern richtig. Wissenschaftssprache möchte sich von der Alltagssprache deutlich abheben, Sprache auf eine andere, höhere Ebene heben. Wenn du eine wissenschaftliche Arbeit schreibst, wirst du merken, dass du automatisch einen anderen Schreibstil hast, als wenn du eine E-Mail an einen Freund sendest. Du benutzt andere Wörter und komplizierte Satzkonstruktionen und verzichtest auf emotionale Ausdrücke oder Umgangssprache. Vielleicht wirst du auch viele Adjektive und Superlative verwenden, wenn du von deinem „grandiosen Wochenende“ oder „dem besten Konzert aller Zeiten“ berichtest.

Ginge Wissenschaftssprache nicht auch einfacher? Natürlich. Aber die Wissenschaftssprache erfüllt einen Zweck, zum einen verbirgt sie so manche unhaltbare oder dürftige These hinter wagen, aber hochtrabenden Formulierungen. Zum anderen verpasst sie Ihrem Verfasser auf den ersten Eindruck einen Expertenstatus. Beides ist positiv für eine wissenschaftliche Laufbahn.

Was zeichnet die deutsche Wissenschaftssprache aus?

Wie klingt es nun, wenn du als Deutscher in Wissenschaftssprache schreibst oder sprichst? Welche Regeln musst du beachten?

Die Ausdrucksweise der Wissenschaftliche Sprache zeichnet sich unter anderem durch folgende Merkmale aus:

  • Häufige Zitate und Quellenangaben
  • Nominalstil: Verben und Adjektive werden in Nomen ungeformt
  • Passivkonstruktionen, zum Beispiel: „Er wurde beauftragt,…“
  • häufige Verwendung von Fachbegriffen
  • Keine direkte Leseransprache
  • Keine Verwendung der Ich-Perspektive
  • lange Sätze
  • komplizierter Satzbau

Wendest du diese Regeln an, bekommt dein Text automatisch eine formelle Note.

Viele Studierende verzweifeln an diesen „Anforderungen“ der deutschen Wissenschaftssprache – vor allem am Anfang ihres Studiums. Dabei ist es nicht allein die Sprache, die einen Text wissenschaftlich macht. Allein der Kontext, der Zweck und der Adressat, der zum Beispiel bei einer Masterarbeit eindeutig wissenschaftlich ist, macht einen Text zu einer wissenschaftlichen Abhandlung. Also keine Sorge. Im Laufe deines Studiums wirst du viel wissenschaftliche Literatur lesen und durcharbeiten. Dann gewöhnst du dir automatisch einen wissenschaftlichen Schreibstil an.

Noch etwas komplizierter wird es leider, wenn du eine wissenschaftliche Arbeit auf Englisch schreiben sollst.

Wissenschaftliches Englisch: Das sind die Unterschiede

Viele Masterstudiengänge werden heute ausschließlich auf Englisch angeboten. Englisch als Wissenschaftssprache begegnet den Studierenden dort täglich – in gesprochener und geschriebener Form.

Doch selbst wenn du dich innerhalb deines Studiums noch davor drücken kannst, eine wissenschaftliche Arbeit auf Englisch zu schreiben, spätestens bei einer Promotion musst du international publizieren. In fast allen Fachbereichen werden Forschungsarbeiten heute nur noch wahrgenommen, wenn sie in renommierten internationalen Fachzeitschriften erscheinen. Dafür bringen aber nur die wenigsten Menschen die sprachliche Kompetenz mit. Denn im Englischen unterscheidet sich die Wissenschaftliche Sprache deutlich von der Alltagssprache. Es ist außerdem nicht möglich, einfach einen deutschen Text ins Englische zu übersetzen.

Die deutsche und die englische Wissenschaftssprache unterscheiden sich in einigen Punkten:

  1. Abgeschwächte Aussagen: In der deutschen Wissenschaftliche Sprache finden sich häufig gewagte Thesen. Hier ist man mutig und provoziert gerne Gegenargumente und Kritik. Die englische Wissenschaftssprache mildert ihre Aussagen hingegen gerne ab. Würde man im Deutschen zum Beispiel schreiben „Diese Arbeit zeigt, …“, bevorzugt die englische Wissenschaftliche Sprache eine weniger selbstbewusste Formulierung, wie „In this paper we hope to show …“.
  2. Ich-Perspektive: In der deutschen Wissenschaftssprache ist es verpönt, dass der Verfasser sich selbst zu Wort meldet. In der englischen Wissenschaftliche Sprache ist es durchaus üblich. Finden sich in deutschen Arbeiten Passivkonstruktionen wie „Im ersten Kapitel wird aufgezeigt“, schreiben englischsprachige Wissenschaftler schlicht „I will demonstrate …“.
  3. Aktiv statt Passiv: Der in der deutschen Wissenschaftliche Sprache beliebte Passiv-Stil findet im Englischen kaum Verwendung. Aus „In diesem Kapitel werden die Vor- und Nachteile diskutiert …“ wird „In this chapter, I will discuss the advantages and disadvantages …“.
  4. Verben statt Nominalstil: Statt vieler Substantive benutzt die englische Wissenschaftliche Sprache lieber Verben. Das führt automatisch zu einem aktiveren Ausdruck.

Fazit

Fachbegriffe und Synonyme kannst du in einem deutsch-englischen Fachwörterbuch nachschlagen. Im Online-Wörterbuch LEO kannst du gratis viele Begriffe recherchieren und dir außerdem in kniffligen Fällen Hilfe von Muttersprachlern holen.

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