Gruppenarbeit im Studium

Zum Thema Gruppenarbeit im Studium haben viele ein gespaltenes Verhältnis. Klar, es macht Spaß, gemeinsam mit anderen etwas zu erarbeiten und zu präsentieren. Nicht zuletzt bedeutet Gruppenarbeit ja auch weniger Arbeit für den Einzelnen: weniger lesen, weniger schreiben, weniger präsentieren.

Gruppenarbeit
In der Theorie zumindest. In der Praxis gibt es leider auch die Gruppenmitglieder, die das Prinzip der Arbeitsteilung schamlos ausnutzen. Und es gibt die, die bereits am ersten Tag das Zepter an sich reißen und sich nur die Rosinen herauspicken – zum Beispiel die Präsentation am Ende des Semesters, um die Lorbeeren dann für sich zu beanspruchen. Vor diesem Hintergrund stellt Gruppenarbeit vermutlich den größten Anspruch an Deine sozialen Fähigkeiten, weniger an Deine fachliche Kompetenz. Lässt Du Dich auf das Wagnis Gruppenarbeit ein, helfen Dir die folgenden Tipps.

Was macht eine Gruppenarbeit aus?

Gruppenarbeit ist keine fadenscheinige Methode, die sich Dein Professor ausgedacht hat, um möglichst viele Studenten gleichzeitig zu beschäftigen. Sie hat tatsächlich wissenschaftliche Wurzeln und gilt in der Pädagogik als anspruchsvolle Organisationsform. Meistens arbeiten dabei bis zu sechs Gruppenmitglieder an der Lösung einer Aufgabe oder eines Problems. Das gelingt selten aus dem Stand. Meistens müssen sich die Mitglieder erst „zusammenraufen“ und eine gemeinsame Basis für den Umgang miteinander entwickeln. Hier sind Einfühlungsvermögen und soziale Kompetenz gefragt – besonders, wenn sehr unterschiedliche Charaktere, Arbeitsweisen und Meinungen aufeinandertreffen.
Der fachliche Anspruch gerät dabei schnell in den Hintergrund. Auch hier liegt die Herausforderung eher darin, dass Potenzial jedes Einzelnen voll auszuschöpfen, in dem man auch schüchterne Kommilitonen dazu motiviert, ihr Wissen einzubringen.
Der Erfolg einer Gruppenarbeit hängt maßgeblich davon ab, wie gut die Teammitglieder zusammenarbeiten. Nur wenn offen kommuniziert wird und alle an einem Strang ziehen, kann ein gutes Ergebnis erzielt werden.

Wie wird die Gruppe zusammengestellt?

Es gibt unterschiedliche Konzepte, nach welchen Prinzipien eine Gruppe zusammengestellt wird. Fakt ist: Du wirst Dir Deine Gruppenmitglieder nur in den seltensten Fällen aussuchen können. Im Studium werden Gruppen häufig anhand von Interessen oder einer Zufallsauswahl zusammengestellt.

  1. Gruppenauswahl nach Zufallsprinzip: Hier gibt es eine Vielzahl an Möglichkeiten. In kleinen Seminaren kann gewürfelt oder durchgezählt werden (zum Beispiel immer von eins bis sechs). In größeren Seminaren und Vorlesungen bieten sich Lose an oder eine Aufteilung nach Sitzordnung. Manchmal wird auch nach Alphabet entschieden. Je nachdem, mit welchem ersten Buchstaben Dein Nachname beginnt, wirst Du dann einer bestimmten Gruppe zugeordnet. Die Gruppenauswahl nach Zufall geht schnell und hat den Vorteil, dass sehr heterogene Gruppen entstehen, in denen Studierende mit unterschiedlichen Schwerpunkten und Interessengebieten zusammenarbeiten. Dafür kann es natürlich sein, dass sich nicht jedes Gruppenmitglied in gleichem Maße für ein Thema begeistern kann.
  2. Gruppenauswahl nach Thema oder Interesse: Häufig ergeben sich im Studium Gruppen daraus, dass Du Dich für ein bestimmtes Thema oder Interessengebiet einträgst und dann zusammen mit Gleichgesinnten eine Gruppe bildest. Das hat den Vorteil, dass alle Mitglieder an einem Thema interessiert sind und entsprechend motiviert sein müssten.

Wichtige Tipps zum Ablauf der Gruppenarbeit

Die Gruppenmitglieder stehen fest. Jetzt kann es ans Werk gehen. Bevor Ihr jetzt gleich die Bibliothek stürmt oder wild Notizen macht, solltet Ihr gemeinsam einen Rahmen und eine Zielsetzung für Eure Gruppenarbeit abstimmen. Darüber hinaus gilt es, Vereinbarungen zu treffen, wie und wann kommuniziert und diskutiert wird. Schließlich ist ein regelmäßiger Austausch das A und O einer guten Gruppenarbeit. Haltet Ihr Euch an die folgenden vier Punkte, habt Ihr gute Chancen, Euer Ziel gemeinsam zu erreichen.

  1. Vereinbart regelmäßige Treffen: Gleich zu Anfang solltet Ihr feste Termine planen, an denen Ihr Euch trefft und Eure Ergebnisse zusammentragt. Diese Termine müssen für alle möglich und verbindlich sein. Jede Woche mit einer Gruppe von sechs Personen einen neuen Termin zu finden, kann sehr zeitraubend und mühsam sein. Der regelmäßige Austausch in der Gruppe ist aber für Euren Erfolg unverzichtbar.
  2. Steckt ein gemeinsames Ziel fest: Dieser Punkt führt im Verlauf einer Gruppenarbeit häufig zu Konflikten. Das Thema Eurer Gruppenarbeit steht wahrscheinlich fest. Darüber braucht ihr nicht zu diskutieren. Viel wichtiger ist es, dass Ihr Euch darüber austauscht, was jeder Einzelne sich von der Gruppenarbeit verspricht. In einer Gruppe gibt es immer mehr und weniger engagierte Mitglieder. Der eine möchte vielleicht nur bestehen, der andere erwartet eine gute Note. Ihr solltet eine Lösung finden, wie Ihr alle Euer Ziel erreichen könnt.
  3. Legt Wert auf eine effiziente Aufgabenverteilung: Auch das Thema Aufgabenverteilung und Verantwortlichkeiten hat Potenzial für Diskussionen und Reibereien. Die einen wollen möglichst wenig tun, die andere wollen alles an sich reißen, wieder andere wollen nur die Filetstücke übernehmen. Persönliche Befindlichkeiten haben an dieser Stelle nichts zu suchen. Objektivität ist jetzt wichtig: Wer ist der beste Kandidat für diese Aufgabe? Den richtigen Mann oder die richtige Frau mit einer Aufgabe zu betrauen, ist im Interesse der ganzen Gruppe. Kommt ihr an dieser Stelle nicht weiter, hilft es manchmal, erst einmal alle Aufgaben zu identifizieren und aufzuschreiben. Im zweiten Schritt teilt ihr gemeinsam die Aufgaben in besonders attraktive und weniger attraktive Tätigkeiten ein. Dann wird gehandelt wie auf einem Bazar. Du möchtest gerne die attraktive Aufgabe „Präsentation gestalten“, weil Dir Gestalten am meisten Spaß macht? Dann musst Du dafür auch eine Aufgabe von der Negativliste übernehmen.
  4. Bleibt bei der Sache: Es kommt tatsächlich vor, dass sich Gruppenmitglieder einfach zu gut verstehen. Dann werden Gruppentreffen zum Kaffeeklatsch. Man trifft sich und tauscht sich bei Kaffee und Knabbereien über die Wochenendaktivitäten aus: In diesen Gruppen will sich einfach keine Arbeitsatmosphäre einstellen. Hier müsst ihr hart durchgreifen. Ihr solltet klar definieren, in welchem Zeitraum gearbeitet wird und wann Ihr eine Pause einplant. In den Pausen darf dann natürlich ausgiebig geplaudert werden.

Wenn es Ärger gibt: So löst Ihr Konflikte

Die Gruppe mag noch so harmonisch sein, früher oder später treten Konflikte auf. Mit einer klaren Absprache im Vorfeld, habt ihr schon eine gute Basis geschaffen. Folgende Verhaltensweisen führen im Verlauf jedoch häufig zu Konflikten in Gruppen:

  • Ungeduld
  • Mangelnde Kritikfähigkeit
  • Unangebrachte Emotionalität
  • Mangel an Kompromissbereitschaft
  • Unsachlichkeit
  • Große Unterschiede im Kommunikationsverhalten

Wichtig ist einzig und allein, wie die Gruppe mit diesem Konfliktpotenzial umgeht. Ein Gespräch ist immer die beste Lösung, um Unstimmigkeiten zu beseitigen. Oft fühlen sich Mitglieder der Gruppe aber persönlich angegriffen, wenn offen Kritik geäußert wird. Die sogenannte DALLAS-Methode kann helfen, Konfliktgespräche auf einer rein sachlichen Ebene zu führen.
„DALLAS“ steht für „Definieren des Problems“, „Anregen von Lösungen“, „Lösung finden“, „Lösung bewerten“ und „Situation neu bewerten“. Genau so könnt Ihr vorgehen, wenn Ihr ein Problem in der Gruppe habt. Nennt das Problem zuerst beim Namen. Als nächstes gibt jedes Teammitglied seine Meinung und erste Lösungsideen zu dem Konfliktthema wieder. Die Lösungsideen werden dann in einem nächsten Schritt ausgearbeitet und notiert. Dann entscheidet die Gruppe gemeinsam, welche Lösung angestrebt werden soll, wer dafür verantwortlich ist und bis wann die Lösung umgesetzt sein soll. Nach einem abgestimmten Zeitraum wird dann der Erfolg der Lösung evaluiert.

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